Bei Ihnen wurde eine koronare Herzkrankheit (KHK) festgestellt. Dabei sind die Blutgefäße verengt, die das Herz versorgen. Jetzt geht es darum, die Behandlung zu planen. Dazu ist manchmal eine Herzkatheter-Untersuchung wichtig. Oft ist sie aber zunächst nicht nötig.
Empfehlung
Prüfen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob ein sofortiger Eingriff für Sie Vorteile bringen kann. Wenn dies nicht der Fall ist, brauchen Sie derzeit keine Herzkatheter-Untersuchung.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung einer KHK verfolgt zwei Ziele: Beschwerden lindern und gefährlichen Folgen vorbeugen, zum Beispiel Tod oder Herzinfarkt. Das wichtigste ist ein gesunder Lebensstil: viel Bewegung, ausgewogen essen und möglichst nicht (mehr) rauchen. Medikamente werden für alle Menschen mit KHK empfohlen. Stents oder eine Bypass-Operation können helfen, wenn die Beschwerden trotzdem anhalten.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Operation das Leben verlängern. Dann kann sie auch schon früher in Frage kommen.
Medikamente
Für alle Menschen mit KHK empfehlen Fachleute Gerinnungshemmer und Blutfettsenker (Statine). Manchmal kommen weitere Wirkstoffe hinzu. Zusätzlich gibt es Mittel, die plötzliche Beschwerden schnell lindern. Diese nehmen Sie nur dann, wenn Beschwerden auftreten.
Stents
Stents sind Drahtgitter, die verengte Stellen im Blutgefäß offenhalten. So sorgen sie für eine bessere Durchblutung. Von der Leiste oder vom Arm aus schiebt die Ärztin oder der Arzt eine dünne Sonde über die Blutbahn bis zur Engstelle vor. An der Spitze sitzen ein Ballon und der Stent. Die Engstelle wird aufgeweitet, und das Stent-Gitter hält das Blutgefäß offen.
Bypass
Während einer Operation am offenen Herzen werden verengte Blutgefäße überbrückt. "Bypass" ist englisch und bedeutet: Umgehung. Man nimmt dafür körpereigene Venen oder Arterien. Um die Operation zu planen, braucht man eine Herzkatheter-Untersuchung.
Wann ist eine Herzkatheter-Untersuchung sinnvoll?
Die Herzkatheter-Untersuchung dient dazu, eine Bypass-Operation zu planen oder Stents einzusetzen. Wer sich entscheidet, zunächst nur Medikamente zu nehmen, braucht keinen Herzkatheter.
Wann hilft eine Bypass-Operation? Wann helfen Stents?
Eine große Studie liefert Hinweise, dass viele Menschen mit KHK von einem sofortigen Eingriff keinen Überlebensvorteil haben. Oft reicht es aus, abzuwarten, ob sich die Beschwerden mit Medikamenten ausreichend bessern. Wenn Sie alle Medikamente wie verordnet einnehmen und die Beschwerden trotzdem belastend bleiben, empfehlen Fachleute einen Eingriff.
In bestimmten Situationen leben manche Menschen dank einer Bypass-OP länger:
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Sie haben zusätzlich zur KHK eine Herzschwäche.
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Sie haben Diabetes (Zuckerkrankheit).
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Sie haben eine ausgeprägte KHK oder mehrere Gefäße sind betroffen.
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Der Hauptstamm der linken Herzkranzarterie ist betroffen (Hauptstammstenose).
Wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft, hat eine Operation möglicherweise Vorteile für Sie, auch wenn Sie keine starken Beschwerden haben. Für manche Menschen ist die Operation dann aber nicht empfehlenswert, weil ihre körperliche Verfassung dagegen spricht. In dieser Situation können Stents in Frage kommen. Ob Stents dann auch lebensverlängernd wirken können, weiß man nicht.
Die Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten finden Sie in unserer Übersicht.
Übersicht: Behandlungsmöglichkeiten bei stabiler KHK
| Medikamente |
Herzkatheter-Untersuchung mit anschließendem Eingriff (Stents oder Bypass)
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Wie läuft die Behandlung ab?
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Sie nehmen regelmäßig mehrere Tabletten ein. In der ersten Zeit kontrolliert der Arzt oder die Ärztin: Schlägt die Behandlung an? Wenn nötig, wird die Behandlung angepasst.
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Für die Untersuchung erhalten Sie ein Kontrastmittel. Eine dünne Sonde (Katheter) wird über einen Einstich in der Leiste oder am Handgelenk ins Herz geführt. Danach entscheidet sich, ob es günstiger ist, Stents zu setzen oder eine Bypass-Operation vorzunehmen. Bei Stents wird das verengte Gefäß über einen Katheter mit einem Ballon geweitet und ein Drahtgitter (Stent) eingesetzt. Bei einem Bypass werden in einer Operation am offenen Herzen verengte Blutgefäße überbrückt. Meist kommt dabei eine Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz. |
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Lindert die Behandlung Beschwerden?
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Bei 79 von 100 Behandelten lindern Medikamente die Beschwerden dauerhaft. 21 von 100 entschließen sich zu einem operativen Eingriff, weil die Beschwerden nicht nachlassen. |
Bei etwa 84 von 100 Behandelten lindern Stents oder Bypass die Beschwerden dauerhaft. Bei etwa 16 von 100 wird ein erneuter Eingriff notwendig. Dann haben sich Stents zugesetzt. Oder es sind neue Engstellen entstanden. |
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Senkt die Behandlung das Risiko für einen Herzinfarkt?*
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Innerhalb von 5 Jahren kommt es etwa gleich häufig zu Herzinfarkten. Allerdings treten nach einem Herzkatheter-Eingriff im ersten halben Jahr mehr Infarkte auf. Dafür werden es später weniger. Bei Medikamenten ist es genau umgekehrt. |
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Verlängert die Behandlung
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Für viele Menschen ist die Lebenserwartung etwa gleich. In folgenden Situationen kann eine Bypass-Operation lebensverlängernd wirken:
Dann kann eine Bypass-OP nach etwa 4 Jahren 3 bis 5 Todesfälle pro 100 Operierten verhindern. Voraussetzung ist, dass Sie körperlich fit genug sind. Ob Stents vorteilhaft sind, wenn eine OP nicht in Frage kommt, weiß man nicht. |
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Welche schweren Komplikationen können auftreten?
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Nebenwirkungen der Medikamente können Sie bei jeder Behandlung bekommen. Denn auch nach einem Stent- oder Bypass-Eingriff empfehlen Fachleute, regelmäßig Medikamente einzunehmen. |
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Keine zusätzlichen Komplikationen
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Stents und Bypass: Innerhalb von 30 Tagen treten bei ungefähr 3 von 100 Behandelten schwere Komplikationen auf, etwa nicht-tödliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
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Schränkt mich |
Für eine optimale Behandlung ist wichtig, dass Sie regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen und Ihre Kontrolltermine wahrnehmen.
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Für eine optimale Behandlung ist wichtig, dass Sie regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen und Ihre Kontrolltermine wahrnehmen. Nach dem Einsetzen von Stents können Sie den Alltag nach wenigen Tagen wieder aufnehmen. Nach einer Bypass-OP sind Sie körperlich länger eingeschränkt.
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* Die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente kann manchmal Herzinfarkte und Herztode verhindern: Studien haben gezeigt: Innerhalb von 5 Jahren wurden im Vergleich zu einem Scheinmedikament etwa 3 von 100 Menschen durch Blutfettsenker (Statine) vor einem Herzinfarkt oder Herztod bewahrt. Gerinnungshemmer (zum Beispiel ASS) konnten Herzinfarkt oder Herztod nach 2 Jahren bei etwa 4 von 100 Menschen verhindern. Bei stark erhöhtem Risiko für Folgeerkrankungen ist der Nutzen größer. |
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Wo Sie eine Selbsthilfeorganisation in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie bei der NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen).
Internet www.nakos.de
Telefon 030 31018960
Dieses Patientenblatt ist Bestandteil der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) "Chronische KHK".
Weiterführende Links
Für diese Information haben wir die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Chronische KHK genutzt. Diese ist für Ärztinnen, Ärzte und andere medizinische Fachleute gedacht.